Der Ausflug in die CAM Software wird mehrere Beiträge benötigen. Das entspricht auch den bisherigen Aufwand meinerseits (no, na, net, wenn ich noch auf die CNC Maschine warte...)
Damit kommen wir zum Ausflug in die eingesetzten CAM-Programme.
Bisher habe ich 5 CAM Programme zumindest getestet (alle gratis oder in einer Gratisversion):
| Kiri:Moto | Open Source, läuft unter Windows, Mac, Linux (auch Web Browser-basiert), in der Cloud |
| FreeCAD CAM | Open Source, mit CAD integriert, läuft unter Windows, Mac, Linux |
| Makera CAM | vom Fräserhersteller, für Kunden gratis, noch in Beta, v0.2.1.8 (wird nicht mehr weiterentwickelt) |
| Makera Studio | vom Fräserhersteller, für Kunden gratis, noch in Beta, v0.1.1.0, Nachfolger von Makera CAM |
| Fusion | ehemals Fusion 360, mit CAD, gratis für persönliche Nutzung – Einschränkung: nur nicht-kommerzielle Nutzung!! Sonst sehr teuer. Gratisversion mit beschränktem Funktionsumfang. |
Es gibt andere Gratisversionen von CAM Software, diese sind oft nur auf 2.5 oder 3 Achsen beschränkt, oder unterstützen keine 'echten' 3D CAD Formate, z.B. nur *.stl. Darunter fallen, unter Anderem:
| OpenBuilds CAM | Open Source, läuft unter Windows, Mac, Linux, kann max. 2.5D |
| FreeMill CAM | Open Source, Windows, Mac, mit CAD integriert, kann 3D |
| EstlCAM | nur Windows, recht eingeschränkt |
| DeskProto | läuft unter Windows, Mac, Linux, kann 3D, auf mesh-basierte Formate beschränkt |
| Carbide Create | in der Gratisversion eher fürs Gravieren, ebenso 2.5D |
| HeeksCAD | Open Source, Windows & Linux, derzeit sehr eingeschränkt |
Jedenfalls gibt es derzeit keine Gratis-software, die echtes 4-Achs Fräsen erlaubt. Gemeint ist damit, dass alle 4 Achsen während der Bearbeitung gleichzeitig bewegt werden (X, Y, Z, und die Drehachse der 4. Achse, meist mit 'A' bezeichnet). Falls ein CAM-Programm das Arbeiten mit der 4. Achse unterstützt, dann meist so, dass eine oder zwei Achsen stehen, während die anderen Achsen gleichzeitig fahren (arbeiten). Wenn dabei die stationäre Achse hier die 4. Achse ist, nennt man das "indexierbare vierte Achse" ('
indexed fourth axis'). Die vierte Achse dreht sich dabei in eine Position und bleibt dort stehen. Dann wird in dieser Orientierung gefräst. Ist dann in der Ausrichtung alles fertig, wird wieder gedreht, stehen geblieben und gefräst, und so weiter. Die Gratisprogramme (zumindest einige) stellen eine zweite Möglichkeit für die Nutzung der 4. Achse bereit. Dabei wird die Achse praktisch permanent gedreht und die Z-Achse fährt quasi eine 'Höhenkontur' nach. Nach jeder vollen 'Umrundung' wird um einen gewissen Betrag in X nachgestellt und die nächste Höhenkontur nachgefahren. Damit ist es ein wenig wie das Drehen auf einer Drehbank, wobei nicht zwangsläufig eine kreisförmige Kontur nachgefahren werden muss. Man könnte damit auch ein eckiges Werkstück erzeugen. Dieser Modus kann für Schachfiguren oder Büsten eingesetzt werden, so wie die Büste der Nofretete hier:
Nofretete_bust.jpg
Diese Büste ist übrigens auch ein mitgeliefertes Beispiel des Herstellers. In diesem spezifischen Modus der 4. Achse gibt es Einschränkungen. Gewisse Modelle lassen sich kaum damit fertigen. Würde man diesen Modus beispielsweise bei der Freiheitsstatue einsetzen, blockiert in einem gewissen Bereich der erhobene rechte Arm den Zugang zur rechten Gesichtshälfte. Möglicherweise gibt es bessere Software, die dann auch ein wenig in Y ausweicht, um den Zugang wieder zu ermöglichen. Aber üblicherweise wird nur eine der zwei Achsen (X oder Y) eingesetzt, je nachdem wie die vierte Achse ausgerichtet ist.
Kommen wir zu den von mir getesteten Software Varianten.
Vor Jahren schon, 2019, (Mann, wie die Zeit vergeht!), habe ich einmal mein RF1000 vorübergehend auf CNC umgebaut. Siehe entsprechenden
Thread. Damals, glaube ich, hatte ich
Fusion 360 eingesetzt. Das eingesetzte Programm war damals für mich relativ unwichtig, ich benötigte nur die nackten GCode-Zeilen der Bearbeitung. Ich musste am GCode ohnehin einiges 'um-pfriemeln' damit es am Drucker funktionierte, denn ich hatte den Drucker in der Firmware
nicht auf Fräsen umgestellt und musste entsprechend darauf Rücksicht nehmen.
Ich konnte mich somit kaum mehr an das Programm erinnern und musste bei
Fusion, mehr oder weniger, von Vorne anfangen.
Welches Programm von mir heuer als erstes getestet wurde, weiß ich nicht mehr.
Makera Studio kann es nicht gewesen sein, das stand damals noch nicht zur Verfügung.
FreeCAD auch nicht, denn ich hätte es installieren müssen (und dafür vorher auf Win10 upgraden).
Kiri:Moto auch nicht, denn ich erfuhr erst später über das Programm. Es wird vermutlich
Makera CAM gewesen sein. Also fange ich damit an.
Ich konnte
Makera Cam noch unter Win8 installieren und laufen lassen. Da machte ich die ersten Versuche.
Makera CAM, wie auch
Makera Studio, sind derzeit nur für Makera Kunden gratis. Somit wird eine detaillierte Beschreibung nur wenigen helfen. Aber praktisch alle CAM Programme gehen ähnlich vor, somit sind sehr viele Punkte und Arbeitsabläufe ähnlich und unterscheiden sich nur in den benutzten Bezeichnungen.
In den Anfangsphasen gab es oft unerwartete Ergebnisse und es war einiges an Frust vorhanden. Es lag nahe, die Schuld an das jeweilige Programm zu schieben

. Ganz zu Beginn habe ich einige Programme (oft nur sehr kurz) angetestet und hatte selten einen gefühlten Erfolg – am ehesten mit
Fusion. Inzwischen verstehe ich deutlich mehr, und wenn ich wieder ein altes Programm hernehme, sind die Erfolge etwas besser.
Der allgemeine Arbeitsablauf (gilt vermutlich für alle CAM Anwendungen):
- Rohmaterial (Material & Abmaße), sowie Position auf dem Frästisch festlegen – für Perfektionisten käme hier noch die Hardware (Art und Position der Spanner) festlegen
- CAD Modell (oder Vector-Bild) laden und positionieren
- Ersten Arbeitsgang definieren (dazu gehört Pfad-Art wählen: Tasche, Kontur oder Relief; dann Werkzeug wählen, Zerspanungsparameter vorgeben) und Werkzeugpfade errechnen lassen.
- Weitere Arbeitsgänge definieren.
Ich kümmerte mich nicht um eine genaue Definition des Rohmaterials (dieses existierte so wenig wie die Fräsmaschine, auf die noch gewartet wird). Mir ging es primär um die Werkzeugpfade. Auch einige der Schnittparameter sind mir egal: einerseits habe ich noch keine Fräswerkzeuge (kommen mit der Maschine) und zweitens liefert Makera eine recht gut vorgefüllte Datenbank mit den Fräsern, die sie verkaufen/liefern, wo die Schnittgeschwindigkeit, der Vorschub, usw., mit brauchbaren, konservativen Werten bereits belegt sind.
Makera CAM
Das Programm gestartet, das Rohmaterial so-so beiläufig definiert, das Unterteil des Entkopplers geladen und einfach einmal die große, runde Öffnung in der Mitte als Pfad der Art 'Kontur' gewählt. Das Ergebnis war OK (im Bild, in Weiß, die Werkzeugpfade; der in Weiß angedeutete Quader drum herum stellt den Umriss vom Rohmaterial dar):
MakeraCAM_earlyTests_0.jpg
So weit, so gut.
Als nächstes ein Versuch mit der Kugeltasche. Ein Pfad der Art 'Tasche' gewählt, ein Werkzeug ausgewählt, usw.
Als Ergebnis erwartete ich in etwa so etwas (Werkzeugpfad in blau):
MakeraCAM_earlyTests_1a.jpg
Ein Werkzeugpfad, der die gesamte Kugeltasche freiräumt.
Aber was ich letztlich geboten bekam war dann (Werkzeugpfad in Weiß):
MakeraCAM_earlyTests_1.jpg
Da ist offensichtlich was schiefgelaufen. Die Kugeltasche wird nicht vollständig geräumt. Der Pfad täuscht ein wenig. Dargestellt wird nur der Weg der Werkzeugachse. Da das Werkzeug einen gewissen Durchmesser besitzt, wird mehr Material abgetragen als der Pfad vermuten lässt. Hier in der Simulation wird es deutlich (Das beige am oberen Bildschirmrand ist das Werkzeug, das beige in der Bildmitte ist das Werkstück, das teilweise zum Vorschein kommt.):
MakeraCAM_earlyTests_1_simulation.jpg
Von der Kugeltasche wird also schon ein Stück gefräst, aber lange nicht genug.
Ich suchte folglich nach dem Grund des unerwarteten Ergebnisses. Ich dachte, vielleicht liegt es an den Durchbrüchen, wo die Nadellagernadelbohrungen in die Tasche ragen. Da begann ich über die Bohrungen nachzudenken und kam zum Schluss, dass diese jedenfalls
vor der Kugeltaschen zu machen wären (sonst könnte der Bohrer verlaufen).
Irgendwann bekam ich die Kugeltasche hin. Das Problem lag nicht an den Bohrungsdurchbrüchen, sondern an eine
Pfadbedingung. Man kann vorschreiben, ob sich der Fräser immer nur innerhalb der vorgegebenen Fläche bewegen darf oder auch außerhalb. Hier verstand ich die Interpretation dieser Bedingung falsch. Danach klappte es.
Ich könnte das obige, unerwartete Ergebnis erklären, das würde aber wieder dauern. Jedenfalls, wenn man das Überfahren der ‘Grenzen‘ erlaubt, funzt es, mehr oder weniger, wie erwartet. Die Bohrungsdurchbrüche machten nur dann Probleme, wenn der Durchmesser des Fräsers so klein gewählt wurde, dass es in den Durchbruch hindurch konnte.
Da haben wir es also: die falsche
Pfadbedingung kann zu unerwarteten Ergebnissen führen! Dann machen wir einen Abstecher zu den Pfadbedingungen.
Pfadbedingungen
Derer gibt es einige. Je nach Software ein Paar mehr oder weniger. Die wichtigsten, die die Generierung des Pfads betreffen, sind:
- Pfadstrategie: konzentrisch oder parallel – wie der Pfad generell verlaufen soll. Bei konzentrisch dann die Wahl, von innen nach außen oder umgekehrt? Bei parallel, ob von hinten nach vorne oder umgekehrt?
- Fräsrichtung: Gleichlauf- oder Gegenlauffräsen – hier wird üblicherweise Gleichlauf gewählt, wenn die Begriffe unklar sind, bitte googeln.
- Werkzeuggrenzen: nur innen erlaubt, außen erlaubt, exakt bis zur Grenze – damit wird die Länge des WZ-Pfads begrenzt. D.h., bei 'nur innen' darf das Fräswerkzeug nur so knapp an die Flächenbegrenzung heran, dass garantiert kein Teil des Werkzeugs über die Grenze ragt. Damit bleibt der Pfad um den halben Durchmessers des Fräswerkzeugs vor der Flächenbegrenzung stehen. Bei 'außen erlaubt' darf der Fräser vollständig über die Begrenzung hinausfahren (um den halben Durchmesser). Bei 'exakt bis …' darf das Fräswerkzeug so weit fahren, dass die Werkzeugachse exakt bis zur Flächenbegrenzung kommt (somit ragt dann der halbe Fräserdurchmesser über die Begrenzung hinaus). (Makera CAM lässt nur die ersten zwei Wahlmöglichkeiten zu, Makera Studio und andere erlauben zusätzlich: 'exakt bis zur Grenze'.)
Es gibt noch eine Menge weiterer Bedingungen, diese beeinflussen den Pfad auf andere Weise (Sicherheitsabstände, langsames Eintauchen in das Material, usw.)
Den Fehler, den ich bei der Kugeltasche machte, war, 'nur innen erlaubt' zu wählen. Damit wurde der Pfad so weit eingeschränkt, das eben das obige Bild entstanden ist.
... das reicht erstmals für heute ...
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